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Atombunker - Kalter Krieg - Programm Delphin

TitelbildPaul Bergner
Atombunker – Kalter Krieg – PROGRAMM DELPHIN
Auf den Spuren der Bunkerbauten für den Kalten Krieg

896 Seiten, 761 Fotos, 128 Skizzen, Lagepläne u.ä., gb., 39,80 EUR
ISBN 978-3-930588-78-7

Sofort lieferbar über den FB-Verlag, Anemonenweg 8, 16348 Wandlitz, OT Basdorf oder über wandlitz@gmx.de (www.ddr-bunker.de).

Auf 896 Seiten verfolgt Autor Bergner erneut die zu Stein gewordenen Spuren des „Kalten Krieges“ unter der Erdoberfläche Deutschlands. Anhand einer Vielzahl von Dokumenten aus Archivrecherchen und aus Privatbesitz sowie Zeitzeugenbefragungen und eigenen Erkundungen in diesen Anlagen wird die bizarre Welt dieser Betonmonster beschrieben. Weiterhin werden deren Entstehung, Betrieb und Niedergang in die geschichtlichen Zusammenhänge der jüngsten Epoche unserer Vergangenheit eingeordnet.

Rezension

Die vorliegende Dokumentation versteht in letzter Konsequenz nur, wer selber einmal Bunker geplant und gebaut hat. In Form eines reich illustrierten Lesebuchs legt der Verfasser die Ergebnisse seiner mehr als 15jährigen Forschungsergebnisse zu Bunkeranlagen der ehemaligen DDR vor.

1968 beschloss die DDR, unter dem Tarnnamen „Delphin“ insgesamt 67 Bunker der höheren Schutzklasse im Zeitraum von 1971 bis 1980 zu errichten. Mit einer Bilanzsumme von mehr als 2 Mrd. Mark sollten insgesamt 67 Bunker für die politische und staatliche Führung, die militärische Führung und den zivilen Teil des Nationalen Verteidigungsrates entstehen. Damit wurde ein Bauprogramm initiiert, das erst mit dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch des Ostblocks seine Geheimnisse preisgab.

Diesen Geheimnissen nachzuspüren und in Form einer spannenden Lektüre einer breiten Öffentlichkeit näher gebracht zu haben, ist das unbestreitbare Verdienst des Verfassers. Die Dokumentation gliedert sich in folgende größere Kapitel: Im ersten Teil „Bunker in der DDR“ wird auf den Komplex 5000, die Bunker der Nationalen Volksarmee, Bunker der Ministerien und der Deutschen Post eingegangen. Der zweite Teil befasst sich mit Bunkeranlagen der Westgruppe der Truppen (z.B. Wünsdorf, Falkenhagen, Schwepnitz, Kernwaffenlager, Komplex 4000, Bunker der Luftstreitkräfte/ Luftverteidigung); im dritten Teil werden einige Bunker der NATO vorgestellt und ein vierter Teil umfasst einen reichhaltigen Anhang von Dokumenten.

Die vorliegende Publikation ist wegen ihrer schier unglaublichen Detailfülle eine unverzichtbare Grundlagen-Dokumentation, um sich der Thematik „Bunker“ auf dem Gebiet der ehemaligen DDR auch unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten zu nähern. Eine vergleichbare Aufarbeitung für Westdeutschland gibt es nicht. Dies mag auch daran liegen, dass manche Anlage den „Kalten Krieg“ nutzungstechnisch überdauert hat, während man in der ehemaligen DDR unmittelbar nach der Wiedervereinigung doch für fast alle Objekte so gut wie keine Verwendung bzw. Neunutzung durch Bundeswehr oder NATO finden konnte.

Die lebhaften, teilweise emotional geschriebenen Ausführungen des Verfassers beklagen denn auch zu Recht, dass es manche Anlage wert gewesen wäre, in ihrer Vollständigkeit der Nachwelt als Denkmal überliefert zu werden. Das Desinteresse der Politik habe dies jedoch in den meisten Fällen verhindert, und es ist angenehm zu lesen, dass sich der Autor gerade dieser Problematik, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch zieht, mit besonderem Engagement annimmt. Dazu dient auch eine farbige Karte im hinteren Umschlageinband, auf der nicht nur die Bunkerstandorte in und um Berlin aufgezeigt werden, sondern auch auf Bunkervereine hingewiesen wird, die versuchen, durch Bunkerbesichtigungen zumindest einen Teil der Objekte vor dem Vergessen zu bewahren und diese ebenfalls als Teil der jüngeren deutschen Geschichte darzustellen. All diejenigen, die sich mit Bunkern im Allgemeinen und mit Bunkern speziell in der ehemaligen DDR befassen, werden an der vorliegenden Publikation nicht vorbeikommen.

Quelle: Am Wall, Nr. 59, Juni 2007, S. 18

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